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Ein Darmstädter, der ein echter Hanseat wurde
B2B NORD | Albert Darboven

Ein Darmstädter, der ein echter Hanseat wurde

Hamburg (jhw) Denkt man an Albert Darboven, kommen Norddeutschen drei Dinge in den Sinn: Nadelstreifen, Kaffee und Pferde. Wenngleich in Darmstadt geboren ist Albert Darboven Hanseat durch und durch. 1936 als Albert Hopusch geboren, wurde er nach dem Tode seines Vaters 1953 von seinem kinderlosen Großonkel Arthur Darboven und dessen Frau Anna-Maria adoptiert und trägt seither den Familiennamen. Heute führt er in vierter Generation das Traditionsunternehmen J.J. Darboven.

Der Kaffee und der Handel waren ihm nicht von Geburt an in die Wiege gelegt. Albert Darboven: „Als Kind wollte ich Bauunternehmer werden. Meine Mutter stammt aus einer Architektenfamilie und davon wurde ich stark geprägt. Aber durch den Wunsch meines Großonkels Arthur Darboven, sein Nachfolger zu werden, wurde ich schon früh an das Kaufmannstum herangeführt und war sofort begeistert. Denn das Handeln habe ich schon sehr früh in den Kriegsjahren mit Laubsägearbeiten betrieben und hatte das Gefühl, dafür ein gutes Händchen zu haben.“

Seit 1960 ist Albert Darboven für das Unternehmen J. J. Darboven am Pinkertweg im Hamburger Stadtteil Billbrock tätig. Das Unternehmen wurde 1866 von Johann Joachim Darboven (J.J. Darboven) in einem kleinen Kontor in der Hamburger Altstadt gegründet. 2016 feierte das Unternehmen 150. Geburtstag im gleichen Jahr in dem Albert Darboven 80 Jahre alt wurde. Seinen Beruf hat er von der Pike auf gelernt. Ausbildung zum Außenhandelskaufmann beim Hamburger Kaffeeimporteur Bernhard Rothfos und weitere Lernjahre als Einkäufer auf Kaffeeplantagen in Südamerika. Die Kommandobrücke für den Wirtschaftskapitän Albert Darboven steht nach wie vor in Hamburg. In der Firmenzentrale sind über 300 Mitarbeiter beschäftigt. Weltweit arbeiten über 1.000 Mitarbeiter für die Firmengruppe. Kaffee, Tee, Kakao sowie individueller Service für die Gastronomie ist das Erfolgsrezept von J.J. Darboven. Die vielfältigen Marken von J. J. Darboven sind nicht nur in Regalen der Supermärkte zu finden. Vor allem die enge Zusammenarbeit mit der Gastronomie ist Garant für den Erfolg des Familienunternehmens.

Marken wie Alfredo, BURKHOF, J.J.Darboven Classics und EILLES sind die Erfolgsprodukte. Bekannteste Marke, auch durch persönliche Werbeauftritte Albert Darbovens im Werbefernsehen, ist die Marke IDEE Kaffee. Das Erfolgsrezept wurde 1927 von Arthur Darboven entwickelt. Durch ein spezielles Veredlungsverfahren werden die bei der Kaffeeröstung entstehenden Reizstoffe verringert und trotzdem bleibt das kreislaufanregende Koffein in der Bohne. Der Wandel im Handel, in der Vermarktung und auch in den Gewohnheiten der Verbraucher ändert sich heute schneller als je zuvor.

Wie führt man ein Unternehmen wie J.J.Darboven zum Erfolg?
„Das erreichen Sie nur mit engagierten, loyalen und kompetenten Mitarbeitern. Hinzu kommt die eigene hohe persönliche Leidenschaft und Disziplin, mit der ich die mir anvertraute Aufgabe wahrnehme. Dieses Vorbild bleibt selbstverständlich nicht unbemerkt. Und dann gehört eine gute Portion Hartnäckigkeit dazu. Nur so erreichen Sie im Leben langfristig ein Ziel.“

Was machen Sie anders als Ihre Vorgänger?
„Ich versuche, vor allem die Fehler meiner Vorgänger zu vermeiden. Außerdem hat sich die Mitarbeiterführung komplett verändert und mein Führungsstil ist ein anderer als der meiner Vorgänger. Ebenso haben sich die politischen Gegebenheiten verändert und so ergab sich für mich die Möglichkeit, die Firmengruppe konsequent international aufzustellen. Diese Chance der freien Marktwirtschaft bot sich meinen Vorgängern leider nicht. So haben wir bereits 1964 die erste Tochterfirma im Ausland in Österreich gegründet und noch im selben Jahr in Schweden sowie 1966 eine Tochterfirma im Amersfoort in den Niederlanden. Heute sind wir mit 13 Tochterfirmen in neun europäischen Ländern vertreten. Dazu gehören vier Produktionsstandorte in Hamburg, Sauerlach, Luzern und Graz. Darüber hinaus haben wir eine höchst erfolgreiche Exportabteilung mit engen Partnerschaften mit Handelsunternehmen in China, Südkorea, Großbritannien, Spanien und der Ukraine.“

Was bedeuten Krisen für Albert Darboven?
„Eine Krise bedeutet eine gewisse Alarmstufe für mich! Das heißt, man muss ständig bereit sein, wichtige Entscheidungen zu treffen, um größeren Schaden abzuwenden. Gerade in meinem Geschäftsbereich müssen sie täglich die Schwankungen der Rohstoffpreise sowie die der Währungskurse beachten und ihre Entscheidungen permanent überprüfen. Aber jede Krise bedeutet auch die Chance auf eine Veränderung und hoffentlich eine Verbesserung.“

Wie wichtig ist ein Team für Sie?
„Ohne ein Team geht gar nichts. Durch die Arbeit im Team entwickelt man ganz andere Stärken und steckt die Niederlagen gemeinsam ein. Aber auch die Erfolge teilt man gemeinsam. Aus dem Team heraus entsteht eine außergewöhnliche Kreativität.“

Wie wichtig ist Vertrauen für die Unternehmensführung?
„Ohne Vertrauen geht im Leben überhaupt nichts. Vertrauen ist der Grundpfeiler jeder zwischenmenschlichen Beziehung, die man aufbauen muss. Meinen Mitarbeitern gebe ich immer einen ordentlichen Vertrauensvorsprung mit auf den Weg. Nur so kann man in der Unternehmensführung erfolgreich sein.“

Was bedeutet Tradition für sie?
„Tradition ist für mich eine erfolgreiche Vergangenheit, die man versucht in die Zukunft zu tragen. Tradition bedeutet auch, das Gute zu bewahren und das gilt bei uns für das Rösten von hochwertigen Kaffeebohnen ebenso wie für die Unternehmensführung eines Familienunternehmens. Tradition, Verantwortung und Genuss sind die drei Säulen, auf denen unser erfolgreiches Unternehmen seit 150 Jahren gebaut ist.“

Wo steht Ihr Unternehmen in zehn Jahren?
„Ich denke weiterhin auf den drei guten Säulen, die wir geschaffen haben und die weiterhin unser etwas größeres Dach dann tragen können. Ich erwarte, dass das Wachstum sich sowohl aus dem Inhouse-Konsum generiert, da das Qualitätsbewusstsein für Kaffee beim Endverbraucher steigen wird. Aber auch der Außerhaus-Konsum wird steigen, gerade in Deutschland. Dementsprechend optimistisch sehe ich die Zukunft unseres Unternehmens. Wir sind für beide Bereiche gut aufgestellt.“

Was haben Sie radikal verändert in der Unternehmensführung, als Sie die Leitung übernahmen?
„Ich würde nicht davon sprechen, dass ich etwas radikal verändert habe. Aber selbstverständlich hat sich die Unternehmensführung durch meine persönlichen Werte und Vorstellungen verändert. Ich habe sehr schnell erkannt, wie wichtig eine gute Ausbildung ist und vor allem wieder Lehrlinge im Betrieb aufgenommen. Dabei stellen wir nach dem Motto: Das Talent kennt keine Geburtsurkunde, ein.

Außerdem hat die Nachhaltigkeit des Unternehmertums auch bei uns eine zentrale und wichtigere Bedeutung bekommen. Wir sind überzeugt davon, dass ökologisch nachhaltiges und auch soziales Handeln eine Grundvoraussetzung ist für langfristigen ökonomischen Erfolg. Dabei ist auch die Zuverlässigkeit der Dinge, die man einmal begonnen hat, ein entscheidender Faktor, egal ob es sich dabei um ein Produkt oder die Lebenseinstellung handelt. Ein Beispiel für diese Grundhaltung ist unser langjähriges Engagement für Fair Trade. Als Kaffeeröster liegen uns die Menschen in den Ländern, aus denen wir Kaffee beziehen, besonders am Herzen. Um sie zu unterstützen, brachten wir bereits 1993 als erster Großröster fair gehandelten Kaffee auf den deutschen Markt. Sowohl im Lebensmitteleinzelhandel wie auch in der Hotellerie und Gastronomie. Dafür wurde J.J.Darboven mit dem Fair Trade Award für unsere Marke Café Intención ausgezeichnet.

Ein weiteres Beispiel ist unser gemeinsames Miteinander im Unternehmen und die gesamte Lebenseinstellung, die mir als Unternehmer wichtig ist. Es geht mir, um ein friedliches und harmonisches Miteinander und ein gemeinsames Zusammenleben, das geprägt ist von gegenseitiger Anerkennung.“

Wie viele neue Geschäftsideen haben Sie derzeit im Kopf und wie werden die realisiert?
„Meine aktuellen Geschäftsideen beziehen sich vor allem auf die Kaffeezubereitung zuhause und in der Gastronomie. Hinzu kommt selbstverständlich ständig die Entwicklung von neuen Produkten im Heißgetränkemarkt. Also bei Kaffee, Tee und Kakao. Ich bin überzeugt davon, dass wir noch lange nicht am Ende sind mit der Entwicklung dieser herausragenden Genussmittel. Verglichen mit Bier und Wein, ist Kaffee noch ein sehr junges Getränk und ich freue mich, über die neuen Trends wie der sogenannten Third Wave oder einer Zubereitung wie Cold Brew oder Nitro Kaffee.“

Welches Unternehmen würden Sie gern mal für einen Tag führen?
„Ich würde bei einem Familienunternehmen bleiben wollen und würde mich für die ALHO Systembau GmbH in Friesenhagen entscheiden. Wir brauchten am Standort Billbrook ein neues Verwaltungsgebäude und ich bin im Internet, nachdem ich ein Flüchtlingsheim besucht habe, auf ALHO aufmerksam geworden. Diese Modulbauweise ist eine nachhaltige Alternative zu konventionell errichteten Gebäuden. Und sie spart auf faszinierende Art und Weise Zeit und Geld. Hinzu kommt eine außergewöhnliche Präzision mit der individuelle Kundenwünsche umgesetzt werden. Dieses Unternehmen einen Tag lang zu führen, wäre mir eine besondere Freude.“

Das Firmenmotto von J.J. Darboven lautet „Aus Freude am Leben“, in der Festschrift zum 150sten Jubiläum zitiert Albert Darboven die Weisheit „Sich regen bringt Segen“. Mit 80 Jahren ist Albert Darboven immer noch mit großer Freude dabei. Ein Unternehmer durch und durch. Ein echter Hanseat - in Hamburg tief verwurzelt. Unser Wirtschaftskapitän Albert Darboven.

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