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Mitarbeiter erfolgreich durch Transformationsprozesse führen
B2B Wirtschaft | Dörte Maack

Mitarbeiter erfolgreich durch Transformationsprozesse führen

Prisdorf (em/fg) „Ich mag Veränderung“, dachte ich, als ich spannende Projekte umsetzte, als ich fremde Länder bereiste und meinen Leidenschaften folgte. „Ich liebe Veränderung“, dachte ich als meine Arbeit unerwartet mit Preisen ausgezeichnet wurde, als ich überraschend große Aufträge bekam und sich die Honorare wie von selbst erhöhten.

„Ich komme mit Veränderung klar“, dachte ich als ich mich entschied, mich von Kollegen zu trennen, eine Freundschaft zu beenden oder aus meiner Wohnung auszuziehen. Ich hatte alles im Griff. In jeder Veränderung sah ich eine neue Chance. Auch wenn es mal nicht so einfach war, umarmte ich die Veränderung kräftig und dann wurde ganz schnell alles wieder gut. Ich strotzte vor Selbstvertrauen und Zuversicht und auch vor Arroganz und Naivität.

Meine Begeisterung für Veränderungen brach zusammen als ich mit der Diagnose einer unheilbaren Augenerkrankung konfrontiert war. Retinitis Pigmentosa ist eine seltene Erkrankung der Netzhaut, die weltweit nicht behandelt werden kann und die langsam zur Erblindung führt. Diese Veränderung wollte ich auf gar keinen Fall umarmen! „Lieber will ich sterben als blind zu werden“, dachte ich voller Trotz. Ich sah überhaupt keinen Sinn, geschweige denn eine Chance in einer solchen Veränderung. Wir alle mögen Veränderungen, aber nur dann wenn sie für uns positiv sind und wir sie selbst initiieren wie zum Beispiel den Start in eine neue Karriere. Die meisten Menschen kommen sogar auch mit negativen Veränderungen gut klar, wenn sie sich selbst dafür entschieden haben wie zum Beispiel bei einer Trennung. Und dann gibt es noch die anderen Veränderungen: Die Veränderungen, die weder positiv noch selbstinitiiert sind. Diejenigen Veränderungen, die in unseren Plänen nicht vorgesehen waren und für die wir uns nie im Leben freiwillig entschieden hätten; diejenigen Veränderungen die andere Menschen, die Wirtschaft oder ganz einfach das Leben für uns entschieden haben; Veränderungen, die uns fundamental betreffen und denen wir nicht entkommen können. Der Verlust eines geliebten Menschen weit vor der Zeit, der Verlust des Arbeitsplatzes oder eine schwere Krankheit kommen uns zuerst in den Sinn, wenn wir an solche Veränderungen denken. Aber es können auch ziemlich alltägliche Erlebnisse sein, die unsere positive Haltung gegenüber Veränderungen schmälern oder völlig zerschlagen, zum Beispiel eine Umstrukturierung, ein unfreiwilliger Standortwechsel oder eine strategische Neuausrichtung.

Nach dem ersten Schock war meine Reaktion auf die Diagnose der Augenärzte Verneinung und Abwehr. „Die Ärzte müssen sich geirrt haben. Es gibt keine Erkrankungen die man weltweit nicht behandeln kann und es ist sowieso ausgeschlossen, dass gerade ich eine so seltene Krankheit habe.“ Und, „Ich werde es den Ärzten schon zeigen.“ Nach einigen Monaten kam bei mir die Einsicht, dass die Ärzte sich nicht geirrt hatten. Mit der Einsicht kamen auch die Wut, die Trauer und die Verzweiflung. „Du musst Dein Schicksal akzeptieren“ oder „Wenn Dir das Leben eine Zitrone gibt, mach‘ Limonade daraus!“ waren Sätze, die mir zu dieser Zeit am wenigsten halfen. Heute weiß ich, dass Wut, Angst und Trauer wichtig sind, dass sie der Ursprung von Kreativität, Innovation und wirklicher Transformation sind. Damals aber hätte mich niemand davon überzeugen können. Akzeptanz und Annahme geht nicht auf Bestellung, nicht auf Knopfdruck. Nach Jahren des schleichenden Sehverlusts war schließlich doch dieser Moment da, an dem ich ganz unten angekommen war. Dieser Moment war fast magisch, denn ich spürte wieder Boden unter den Füßen, hörte auf gegen das Unausweichliche anzukämpfen und war bereit mir helfen zu lassen.

Schritt für Schritt lernte ich, probierte aus, scheiterte, versuchte es erneut und kam schließlich weiter als ich es mir je hätte erträumen können. Als Head of Education des „DIALOG IM DUNKELN“ entwickelte ich einen Workshop, den mittlerweile weltweit mehr als 250.000 Führungskräfte erlebt haben. In Seminaren zum „Umgang mit Veränderung“ begann ich, meine ganz persönliche Geschichte zu erzählen. Ich merkte, dass meine Geschichte gar nicht so persönlich ist, denn Ich durchlief in meinem Transformationsprozess vom Sehen zum Nicht-Sehen die wesentlichen Phasen, die für jeden Veränderungsprozess charakteristisch sind. Diese Phasen sind nicht einfach und schon gar nicht glorreich, aber sie sind alle berechtigt, notwendig und wichtig.

Insbesondere für Führungskräfte lohnt es sich, ein tiefes Verständnis dafür zu entwickeln, welche Phasen wir als Menschen bei nicht selbstgewählten Veränderungen durchlaufen. Dieses Verständnis kann helfen, Mitarbeiter in Phasen des Wandels nicht zu verlieren sondern sie so zu unterstützen, dass sie trotz aller Schwierigkeiten am Ende gestärkt aus Veränderungen hervorgehen. Führungskräfte wissen natürlich, dass echte Transformation mehr ist als aus einer Zitrone Limonade zu machen. Führungskräfte, die mit ihren Mitarbeitern erfolgreiche Transformationen durchlaufen haben, wissen, dass sie am Ende gemeinsam mit ihren Mitarbeitern aus Trümmern ein Schloss bauen konnten.

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