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Er ist der Herr des Hafens
B2B NORD | Jens Meier

Er ist der Herr des Hafens

Hamburg (jhw/kv) Rund 1800 Mitarbeiter und 7145 Hektar Fläche, knapp 10 % der gesamten Hamburger Stadtfläche unterliegen seinem Verantwortungsbereich. Jens Meier, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hamburg Port Authority ist Chef des Hamburger Hafens und damit verantwortlich für den drittgrößten Containerhafen gemessen am Containerumschlag in Europa. Weltweit liegt er damit an 18. Stelle.

Rund 9.000 Schiffsanläufe pro Jahr, knapp 300 Liegeplätze an insgesamt 43 Kilometer langen Kaimauern für Seeschiffe, mehr als 1.900 Güterzüge pro Woche, vier moderne Containerterminals, drei Kreuzfahrtterminals und rund 50 spezialisierte Umschlaganlagen für RoRo- und Stückgutverladungen und Massengüter aller Art sowie rund 7.300 Logistik-Unternehmen innerhalb der Stadtgrenze sind die beeindruckenden Kennzahlen des Arbeitsplatzes von Jens Meier.

Meier, Jahrgang 1966, ist studierter Informatiker und begann 1993 seine Karriere bei der Software Design & Management AG ( Ernst & Young Gruppe), wo er ab 1997 als Mitglied der Geschäftsleitung für die Niederlassungen Hamburg und Hannover verantwortlich war. Danach war er als Bereichsvorstand bei der Systematics AG, der tts Holding bis zum Verkauf an die Fiege Gruppe als Geschäftsführer tätig und wurde danach Vorstandsmitglied der Fiege Holding Stiftung & Co. KG.

Durch die immer größer werdenden Aufgaben, auch in der Hafen Wirtschaft, der Industrie 4.0 und der damit einher schreitenden Digitalisierung kommen ihm seine Fachkenntnisse der Informatik sehr zugute. Die HPA betreibt das Hafenmanagement der Freien und Hansestadt Hamburg und verantwortet den Hafenbetrieb, die Weiterentwicklung des Hafens und die Instandhaltung bzw. Weiterentwicklung der gesamten Infrastruktur im Hafen.

Neben dem Hamburger Hafen hat der gebürtige Hamburger aus dem Stadtteil Neugraben-Fischbek aber noch eine weitere Leidenschaft, die ihm genauso viel Einsatz abverlangt. Er trägt die Raute im Herzen und ist seit Januar 2015 Präsident des Hamburger Sportvereins und Mitglied im Aufsichtsrat der HSV Fußball AG.

Jens Meier, was wollten Sie als Kind werden?
Erst wollte ich Polizist werden, später dann Pilot.

Wie führt man ein Unternehmen wie die HPA zum Erfolg?
Es sind die Menschen, die ein Unternehmen erfolgreich machen. Motivation und Leistung kann man schwer erkaufen. Menschen zu fördern und zu fordern, ihnen Raum für Kreativität und Eigenverantwortung zuzulassen, finde ich sehr wichtig, wenn es darum geht, ein Unternehmen weiterzuentwickeln. Natürlich gilt es als Geschäftsführer auch, die richtigen Weichen zu stellen, Trends zu erkennen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren Stärken entsprechend einzusetzen. Dabei ist mir der Austausch immer wichtig. Interessant finde ich z.B. immer wieder Impulse und Ideen junger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die frisch nach der Ausbildung in die HPA eintreten.

Ihre Karriere begann in der IT Sparte, heute leiten Sie den Hamburger Hafen! Wie groß war das Umdenken für Sie?
Als Informatiker habe ich Software-Lösungen entwickelt und Unternehmen in Sachen IT beraten. Zu den Kunden, die ich damals betreut habe, zählten auch Logistiker, insofern gab es da schon erste Berührungspunkte. 2002 haben mich dann die Verantwortlichen des Logistikers tts Holding angesprochen, ob ich nicht die Seite wechseln wolle. Von meinen Erfahrungen von damals – sowohl als Informatiker als auch als später beim Logistiker Fiege – profitiere ich noch heute. So ist z.B. mein Hintergrundwissen über die IT sehr nützlich, bei unseren Plänen, den Hamburger Hafen, den smartPORT, weiterzuentwickeln und die Vernetzung mit anderen Häfen weltweit voranzutreiben.

Was machen Sie anders als Ihre Vorgänger?
Ich habe von Anfang an versucht, die Last auf mehrere Schultern zu verteilen, um nicht selbst zum Bottleneck zu werden.

Was haben Sie in der Unternehmensführung verändert, als Sie den Vorsitz der Geschäftsführung übernahmen?
Selbstverständlich habe ich meine Erfahrung und mein Wissen aus meinen bisherigen beruflichen Stationen eingebracht und zum Beispiel einen sehr viel größeren Schwerpunkt auf das Thema Vernetzung und Digitalisierung gelegt. Mir lag und liegt die intelligente und effiziente Nutzung der vorhandenen Infrastrukturen – ob Wasserweg, Straße oder Schiene – am Herzen. Wir können stolz darauf sein, dass wir in Hamburg früh die Chancen, die uns die IT bietet, erkannt und eine langfristige Strategie erarbeitet haben. Daraus sind viele Projekte entstanden, von denen wir heute profitieren und die wir weiterentwickeln, z.B. Investitionen in die Infrastruktur und IT der Hafenbahn oder die Installation von Messstellen an den wichtigsten Verkehrsknotenpunkten im Hamburger Hafengebiet.

Was bedeuten Krisen für Sie?
Gerne wird bei dieser Frage ja erwähnt, dass Krisen Chancen sein können. Und in der Tat sehe auch ich das so: Krisen zwingen dazu, sich auf das Wesentliche zu fokussieren, Prioritäten zu setzen und umzudenken. Daraus entstehen immer wieder neue Ideen, die zu Effizienzsteigerungen führen.

Wie wichtig ist ein Team für Sie?
Ob beim Sport oder im Beruf: Viele Ziele lassen sich im Team besser erreichen. Ich sehe es auch als meine Aufgabe, diesen Effekt meinen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen immer wieder zu vermitteln.

Wie wichtig ist Vertrauen für Sie als Unternehmenslenker?
Ohne ein gewisses Maß an Vertrauen in meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie auch in Kunden und Partner wäre mein Job nicht möglich. Grundsätzliches Misstrauen blockiert und bringt niemanden weiter. Aber natürlich muss man auch wachsam bleiben und im Blick behalten, wo eventuelle Fallstricke sein könnten. Vertrauenskultur bedeutet, dass ein Manager für Kolleginnen und Kollegen sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in seinen Entscheidungen einschätzbar ist.

Was bedeutet Tradition für sie?
Ich finde das Zitat „Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers“ sehr passend. Es geht darum, das Bestehende weiterzuentwickeln und neuen Gegebenheiten anzupassen, dabei darf man aber nicht vergessen, woher man kommt und das Veränderungen auch ihre Zeit brauchen.

Wo steht die HPA in 10 Jahren?
In 10 Jahren werden wir uns nicht nur als smartPORT – also als intelligenter Hafen – sehr gut etabliert und weiterentwickelt haben, sondern auch mit der Vernetzung der Häfen weltweit ein großes Stück vorangekommen sein. Vielfach besteht heute noch Skepsis, wenn es darum geht, Daten entlang der Transportkette zu teilen. Es wird noch etwas dauern, hier die Bedenken abzubauen, aber wir befinden uns, z.B. mit dem Hafennetzwerk chainPORT, bereits auf einem guten Weg. Unser Ziel ist, zum einen wichtige Informationen der Partnerhäfen miteinander vernetzen und zum anderen die Basis schaffen, um gemeinsam neue, zukunftsorientierte und innovative Lösungen zu erarbeiten.

Was sind die großen Herausforderungen für den Hamburger Hafen?
Eine Herausforderung ist sicherlich der Umgang mit den immer größer werdenden Schiffen. Sie stellen nicht nur eine Aufgabe dar, was Restriktionen durch den Wasserstand der Elbe oder die Breite der Fahrrinne angeht, sondern auch an die Suprastruktur der Terminals. Hierzu befinden wir uns – auch im Rahmen unseres internationalen Netzwerks – mit anderen Häfen weltweit im Austausch.

Eine weitere Hürde ist der Umgang mit Schiffsemissionen. Für Kreuzfahrtschiffe gibt es mit der Landstromanlage in Altona, der LNG-Hybrid- Barge in der HafenCity und der LNG-Versorgung in Steinwerder bereits Möglichkeiten, die Motoren während der Liegezeit im Hamburger Hafen auszustellen und so einen Beitrag zur Luftreinhaltung und Lärmreduktion zu leisten.

Welche Innovationen sind im Hafen zu erwarten?
Es gibt unzählige Digitalisierungstreiber und -megatrends, die wir beobachten und für den Hamburger Hafen evaluieren. Neben dem 3D-Druck, Internet of Things oder Virtual und Augmented Reality ist hier auch das effektive Management von Leercontainern zu nennen. All diese Dinge führen langfristig zu einer Optimierung der internen Abläufe des Hafens und wirken sich auch auf die Hinterlandanbindung aus. Um auch zukünftig neue digitale Geschäftsmodelle zu identifizieren, stehen wir im stetigen Austausch mit der Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.

Wie bauen Sie Ihren Nachfolger auf?
Innerhalb der HPA haben wir ein Leadership- Ausbildungsprogramm etabliert, um immer ausreichend gute Nachwuchsmanager vorzubereiten.

Wie viele neue Geschäftsideen haben Sie derzeit im Kopf und wie werden Sie diese realisieren?
Es gibt verschiedene Ideen für Projekte die HPA und den Hamburger Hafen – mit Wasserwegen sowie Schienen- und Straßenverkehren ist der Hafen sehr breit aufgestellt, und es mangelt nicht an Einsatzmöglichkeiten.

Gerade wenn es darum geht Neuheiten einzuführen, ist es gut, einen Kreis an Gleichgesinnten zu haben, der diese Ideen unterstützt. Und natürlich gelingt es einfacher Menschen zu überzeugen, wenn man nicht nur Visionen aufzeigt, sondern konkrete Showcases vorweisen und Dinge somit unfassbar machen kann.

Was passiert im Hafen, wenn sich die Elbvertiefung weiter hinauszögert?
In seinem Urteil hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig ausdrücklich die Notwendigkeit der Fahrrinnenanpassung unterstrichen. Die Fahrrinnenanpassung wird also kommen.

Gemeinsam mit allen Projektbeteiligten werden wir konzentriert an den Punkten arbeiten, zu denen uns das Gericht aufgefordert hat. Wir wollen das Verfahren so schnell wie möglich zu einem guten Abschluss zu bringen und an unserem langfristigen Ziel, den Hamburger Hafen besser erreichbar zu machen und seine Position unter den weltweiten Spitzenhäfen zu sichern, festzuhalten. Parallel beschäftigen wir uns aber auch kontinuierlich mit Optimierungen im bestehenden System.

Welches Unternehmen würden Sie gern mal für einen Tag führen und warum?
Darüber mache ich mir aktuell überhaupt keine Gedanken, und das ist aus meiner Sicht ein gutes Zeichen.

Erleben wir in der nächsten Saison einen neuen HSV. Wie wird der aussehen?
Da ich nicht für die Kaderplanung der Fußball- Bundesliga-Mannschaft zuständig bin, sind wir alle gemeinsam gespannt wie der neue HSV aussehen wird. Ich freue mich jedenfalls schon auf die neue Saison. Von meiner Seite werde ich einen Beitrag dazu leisten, dass trotz aller Emotionen die notwendige hanseatische Zurückhaltung einkehrt und dass weiter an nachhaltiger, finanzieller Solidität gearbeitet wird.

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