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Das plant der Hamburger Handelskammer-Rebell!
B2B NORD | Tobias Bergmann

Das plant der Hamburger Handelskammer-Rebell!

Hamburg (jhw/kv) Bei der Bekanntmachung des Ergebnisses der Kammer-Wahl 2017 durch Jens-Ulrich Kießling, dem Vorsitzenden des Wahlausschusses der Handelskammer Hamburg am 17. Februar 2017 war die Sensation perfekt. „Die Kammer sind wir“ eine Gruppe kleiner und mittelständischer Unternehmer hatte sich mit dem Establishment angelegt und gewonnen und das haushoch. 55 der 58 möglichen Sitze gingen an das Wahlbündnis unter Führung von Thomas Bergmann und der Name des Kammerrebellen war geboren.

Rund 160.000 wahlberechtigte Mitgliedsunternehmen waren aufgerufen, für die Wahlperiode 2017 bis 2020 ihre ehrenamtlichen Vertreter ins Plenum der Handelskammer zu wählen. Um die 58 Sitze im Kammerplenum bewarben sich insgesamt 133 Kandidaten. In der Sitzung des Plenums können noch bis zu acht Mitglieder zur Vollversammlung kooptiert werden. In der Mai-Sitzung wurde dann das neue Präsidium und der Präses gewählt. Die Wahlbeteiligung betrug 17,6 Prozent und war damit fast doppelt so hoch wie 2014 (9,6 Prozent). Das ist die höchste Wahlbeteiligung im Vergleich zu den anderen großen deutschen Kammern. Die Handelskammer ist seit 1665 die Selbstverwaltung der gewerblichen Hamburger Wirtschaft. Sie vertritt die Interessen der etwa 160.000 Unternehmen gegenüber Politik und Verwaltung. Nach der Wahl ist nichts mehr wie vor der Wahl. Tobias Bergmann, der Gewinner der Wahl und Andreas Bartmann von der Globetrotter Ausrüstungs GmbH standen für ein Interview zur Situation in der Handelskammer zur Verfügung.

Tobias Bergmann, Kammer Rebell, Sieger der Kammerwahl in Hamburg und künftiger Präses, wie fühlen Sie sich?
Wir haben viele Jahre für unsere Ziele gekämpft. Wir haben uns den Hamburger Unternehmen vorgestellt und haben jetzt dafür ein überwältigendes Mandat bekommen. Ich freue mich auf die Aufgabe und doch ganz selbstverständlich habe ich Respekt davor. Das ist ein großer Brocken, den wir vor uns haben.

Wie sehr hat Sie das Ergebnis überrascht?
Wir hatten die Tage davor überlegt wie es ausgeht. Ich war ganz zuversichtlich, dass wir eine Mehrheit der Hamburger Unternehmen für unsere Ideen gewinnen könnten. Das es dann 55 von 58 Mandaten geworden sind, also über 90 % der Mandate, das hat mich dann tatsächlich überrascht. Das ist in gewisser Weise natürlich auch eine besondere Aufgabe, es zeigt die massive Unzufriedenheit der Hamburger Kaufleute mit ihrer bisherigen Vertretung in der Handelskammer.

Was glauben Sie, warum haben Sie gewonnen?
Ich glaube, wir haben das Gefühl der Hamburger Kaufleute richtig aufgegriffen. Die Hamburger Unternehmer sagen, dass was die Handelskammer macht oder was sie repräsentiert sind nicht wir. Unsere konkreten Forderungen auf Abschaffung der Zwangsbeiträge, die Forderung mit der Verschwendung aufzuhören sowie das Thema der dualen Bildung haben anscheinend überzeugt.

Was sind die nächsten Schritte, wenn Sie Ihr Amt offiziell übernommen haben?
Die Taktung ist vorgegeben, im April und im Mai finden die Übergabeprozesse statt. Wir haben bis dahin noch ein altes Präsidium und ein altes Plenum. Ich war letztens bei der Ehrung des Azubis des Jahres zugegen. Bei aller Veränderung, die wird da vor uns haben, brauchen wir an bestimmten Stellen auch Kontinuität, das werden wir jetzt auch mitgestalten. Schritt eins, den wir versprochen haben und den wir sofort umsetzen, heißt: Diese Kammer muss transparent sein! Auch die erste Sitzung muss öffentlich sein.

Sie haben angekündigt keinen Stein auf dem anderen zu lassen, womit werden Sie starten?
Wir werden Steine aufeinander lassen, aber wir werden alle Steine umdrehen müssen. Es gibt dort keine sakrosankten Sachen oder Bereiche, die wir uns nicht anschauen.

Die Kammerbeiträge wollen Sie ändern, was sind die konkreten Pläne?
Der Unternehmer soll sich künftig entscheiden können zwischen einer beitragsfreien Basismitgliedschaft und einer beitragsgebundenen Premiummitgliedschaft. Die Frage dahinter ist, finden wir genügend Hamburger Unternehmen für eine beitragsgebundene Premium Mitgliedschaft. Ich finde, es ist die Aufgabe der Handelskammer zu beweisen, dass es wert ist diese Premium Mitgliedschaft anzustreben. Wir haben uns das Schweizer Beispiel angeguckt. Auch die Schweizer wählen zu einem überwiegenden Teil die freiwillige Mitgliedschaft mit freiwilligen Beiträgen in der Schweizer Kammer. Sind die Leistungen richtig, dann wird auch gezahlt.

Wo steht die Handelskammer in drei Jahren nach Ablauf der nächsten Legislaturperiode?
Wir wollen, dass die Kammer dann eine Mitgliedshandelskammer sein wird. Wir werden den Prozess noch nicht abgeschlossen haben, drei Jahre scheinen jetzt eine lange Zeit, aber das geht natürlich auch sehr schnell vorbei. Deshalb haben wir jetzt überhaupt keine Zeit zu verlieren und werden uns sofort an die Arbeit machen.

Was wird aus dem Hauptgeschäftsführer Prof. Schmidt-Trenz, die ersten Gespräche hat es gegeben, was ist das Ergebnis? Sie haben angekündigt, er wird deutlich weniger verdienen, wie wird das Spiel ausgehen?
Wir gehen ja professionell damit um. Wir haben immer gesagt, dass eine halbe Million Euro pro Jahr für einen Hauptgeschäftsführer der Handelskammer nicht adäquat sind. Das ist unsere Einschätzung. Da gibt es andere, die sagen das Gehalt ist adäquat. Kein anderer Handelskammer Geschäftsführer in Deutschland verdient vergleichbare Beträge. Es gibt Verträge, die abgeschlossen wurden, die hätte ich so nicht abgeschlossen. Es heißt jedoch Pacta sunt servanda. Wir schauen uns jetzt die Verträge an. Nun kann der Vertragspartner sagen, ich sehe meine Zukunft woanders und geht. Die Hamburger Unternehmer entgegnen mir auf meinen Einwand, dass so ein Gehalt nicht marktangemessen sei, sonst ist Professor Schmidt-Trends weg. Er ist eine so herausragende Unternehmerpersönlichkeit, er hat viele andere Angebote vorliegen, die er dann übernehmen würde. Vielleicht ist das ja auch eine Antwort.

Es war zu lesen, „Freunde werden wir nicht mehr“. Doch bei den Zielen, die Sie sich und der Kammer gesetzt haben braucht es ein enges Verhältnis zur Geschäftsführung, wie wollen Sie die Aufgabe lösen?
Ich glaube, dass das nichts mit Freundschaft zu tun hat. Es braucht eine professionelle Basis, eine Vertrauensbasis, damit man zusammenkommt. Deshalb ist der Begriff, wir werden keine Freunde, an der Stelle gar kein Problem. Nein, ich suche in der Wirtschaft keine Freunde, die suche ich in meinem privaten Umfeld. Ich glaube, wir kommen sehr schnell zu einer gemeinsamen und vernünftigen Lösung, für alle Seiten.

Stellenabbau in der Handelskammer, wie viele Stellen werden Sie abbauen?
Das können wir natürlich noch gar nicht sagen. Was wir wissen, wir arbeiten derzeit mit Zwangsbeiträgen, die wir auf ein freiwilliges Beitragssystem umstellen wollen. Das ist Schritt eins. Es kann ja sein, dass es weniger freiwillige Beiträge gibt als es in der Vergangenheit Zwangsbeiträge gab. Dann ist der nächste Schritt, dass man an gewissen Stellen Kosten sparen muss. In einer Serviceorgani sation sind Personalkosten ein fester Bestandteil. Wir müssen uns viele Sachen anschauen. Es kann aber auch sein, dass wir Stellen abbauen. Dazu können wir jetzt noch gar nichts sagen. Wir sind eine Kammer, die für ihre Mitglieder da ist, die braucht gute Mitarbeiter. Das ist genau das, was wir jetzt hinbekommen müssen.

Die meisten etablierten Kammervertreter sind jetzt nicht mehr dabei, wie wollen Sie Vertrauen zu den Firmen herstellen?
Erstens sprechen wir ja mit den Unternehmen, wir wissen, dass die Handelskammer Hamburg die Interessen der gesamten Hamburger Wirtschaft vertritt. Natürlich sind wir darauf angewiesen, dass diese Leute sich auch einbringen, da sind wir ganz pragmatisch. Da sind auch die großen Unternehmer ganz pragmatisch und sagen, die Kammer war sozusagen unser Organ gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Diese Aufgabe werden wir auch annehmen. Die Frage war ja auch vorher schon gewesen, wie kann die Handelskammer das Sprachrohr der Hamburger Wirtschaft sein? Es gibt viele Tendenzen und Umbrüche. Es gibt Firmen, die in der Vergangenheit keine Rolle in der Handelskammer gespielt haben. Ich spreche über die New Economy oder die Gaming Industry, die wichtige künftige Wirtschaftszweige in der Hamburger Wirtschaft sind. Die haben bisher in der Kammer nicht stattgefunden. Wir werden auch auf die traditionellen Unternehmen zugehen und werden Lösungen finden.

Inwieweit spiegelt das künftige Plenum noch die Hamburger Wirtschaft wider?
Das ist immer eine Frage des Standpunktes! Wissen Sie, vor drei Jahren gab es keinen einzigen Unternehmer mit Migrationshintergrund im Plenum der Handelskammer. Ungefähr 30 % der Hamburger Unternehmer haben Migrationshintergrund. Damals hat keiner die Frage gestellt, ist denn dieses Plenum tatsächlich ein Spiegelbild der Hamburger Wirtschaft. Ich würde sagen: Nein, das war auch damals nicht Spiegelbild der Hamburger Wirtschaft. Genau die gleiche Frage und Aufgabe stellt sich jetzt, denn viele große Unternehmen sind nicht dabei. Die brauchen wir natürlich um spiegelbildlich dazustehen. Wir sind dabei Lösungen zu finden und dabei auch transparent zu sein. Es kann kein closed shop mehr sein. Es muss auch für einen Unternehmer, der nicht in diesen Gremien ist, die Möglichkeit geben sich mit seinen Inhalten einzubringen.

Welche acht weiteren Unternehmer werden Sie ins Plenum berufen?
Da haben wir schon Ideen, wer das sein könnte. Wir sprechen jetzt mit den Leuten und freuen uns auch über Vorschläge.

Abschließende Frage, Tobias Bergmann der Rebell, woher kommt Ihr Kampfgeist?
Eine Frage, die mir jetzt oft gestellt wird. Ich komme aus Niederbayern und wir Niederbayer haben grundsätzlich etwas Rebellischeres an uns, als es vielleicht ein hanseatischer Unternehmer hat. Mein Kampfgeist kommt daher, wie ich die Kammer in Hamburg erlebt habe. Als wichtige einflussreiche Organisation, die für die Wirtschaft gesprochen hat. Es gab immer wieder Positionen, die ich nicht geteilt habe als Unternehmer. Das kann passieren. Aber ich habe auch das Gefühl gehabt, ich bin nicht gefragt worden und es gab auch gar kein Interesse an meiner Meinung. Sowas ärgert mich zutiefst, wenn sich jemand hinstellt und behauptet, er spricht in meinem Namen und hört mir nicht mal zu was ich dazu sage. Für mich gab es zwei Möglichkeiten, entweder ich trete aus oder ich bringe mich ein. Austreten geht bei der Handelskammer nicht und da hab ich mich auf den Weg gemacht. Jetzt bin ich Derjenige, der aller Voraussicht nach für alle Unternehmer sprechen wird. Es gibt Unternehmer, die ganz anders ticken als ich. Ich möchte nicht, dass die Unternehmer genau das gleiche Gefühl haben wie ich es hatte. Das ist eine Lehre und eine Aufgabe für mich.

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