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3D-Druck Zukunftsmusik oder produktiv im Einsatz?
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3D-Druck Zukunftsmusik oder produktiv im Einsatz?

Hamburg (jhw/kv) 3D-Druck ist eine derzeit in vielen Unternehmen diskutierte Technologie. Eine Technologie, die bereits auf über 25 Jahre Erfahrung zurückblicken kann. 1981 hatte Charles W. Hull die Stereolithographie (3D-Druck-Technologie) erfunden, die die Grundlage für die weitere Entwicklung von 3D-Druckern war.

Der erste 3D-Drucker kam 1988 auf den Markt. Grundlage für den 3D-Druck waren die Daten aus CAD-Systemen (computer-aided design). Dadurch wurde es möglich dreidimensionale Konstruktionen auf dem Computer zu erstellen und diese Dateien als Grundlage für den 3D-Druck zu verwenden. Waren die ersten Anwendungen das schnelle Erstellen von Prototypen (rapid prototyping), sind es heute Anwendungen in der Fertigung bzw. in der Lagerhaltung. Ein Weg, den Ralf Siebert, geschäftsführender Gesellschafter der Copynet Innovationsgesellschaft mbH im nachfolgenden Interview mit B2B NORD WIRTSCHAFT beschreibt: „Wir sind auf dem Weg von der Produkt-Lagerhaltung hin zur Fertigung on demand durch die Bevorratung von CAD-Daten.“ Das hat auf die gesamte Wertschöpfungskette eines Unternehmens Auswirkungen. Das Produkt muss nicht mehr zum Zwischenhändler geliefert werden, zukünftig werden die Daten zum Point of Sale geliefert und dort on demand gefertigt. Ein positiver Effekt für alle am Fertigungsprozess beteiligten Unternehmen. Lieferzeiten werden kürzer, große Mengen an Teilebevorratung sind nicht mehr notwendig, hohe Transportkosten entfallen, das schont die Kalkulation und die Umwelt.

Wo steht die Technologie des 3D-Druckes heute?
Wenn Kunden heute zum Thema 3D-Druck anfragen und am Ende der Beratung sagen wir warten erst noch mal ab was da so kommt, dann kann ich immer nur sagen, wir reden über eine Technologie mit über 25 Jahren Historie. Niemand kommt beispielsweise beim PC auf die Idee zu sagen, wir warten mal ab was da so kommt. Der 3D-Druck ist bewährte Technologie und sie wird immer weiterentwickelt. Trotzdem bin ich überrascht, wenn ich in der Zeitung lese, was heute schon funktionieren soll und in der Wirklichkeit dann doch noch Zukunftsvision ist. Zum Beispiel die Möglichkeit Organe zu drucken. Für gesundheitlich schwer angeschlagen Personen wäre dies sicher ein Strohhalm, den sie gern ergreifen wollen. Hier wird sich in Zukunft einiges entwickeln, doch das ist noch nicht der heutige Stand der Technik. Was heute möglich ist, spielt sich im Bereich der Produktion ab. War es früher das Prototyping in der Entwicklung, so geht es heute darum, wie kann ich die gesamte Prozesskette der Produktion abbilden. Die Individualisierung und die Zeit sind zwei wesentliche Kriterien im 3D-Druckprozess.

Wie kann ich diese Komponenten mit einfließen lassen, um zum Beispiel geringe Stückzahlen zu erzeugen. Wir beschäftigen uns seit zwei Jahren mit dem Thema Tiefziehen und Formenbau. Es kam für mich früher nie in Betracht, mich mit so einer Technologie auseinanderzusetzen. Doch es gibt immer einen Scheitelpunkt. Bis wann lohnt sich 3D-Druck, und ab wann lohnt es sich mit dem herkömmlichen Verfahren Teile zu fertigen. Es gibt hohe Kosten für den Formenbau und die vielen weiteren Fertigungsvorgaben.

Wo fängt die Massenfertigung an?
Wir haben einen Kunden, der benötigte kleine Stecker für Glasfaserverbindungen. Der Stecker in der herkömmlichen Herstellung kostet im Einkauf 8,50 Euro pro Stück. Die Stecker sind sehr filigran gebaut. Heute druckt er diese Stecker für 3 Cent das Stück. Hier geht es einfach darum, den ganzen Prozess unter ROI Gesichtspunkten zu bewerten. Der Unternehmer hat eine Möglichkeit gesucht, neueste Technologien einzusetzen und damit Erfahrung zu sammeln.

Es gab vorher keine fertige Lösung. Insofern benötigen wir auch immer Unternehmer, die neue Wege gehen wollen und sich mit Technologie beschäftigen. Es geht im 3D-Druck viel mehr, als viele denken und doch geht noch immer nicht alles.

Ganze Häuser aus dem Drucker, fake oder durchaus real?
Beim Hausbau ist mit dem 3D-Druck vieles noch nicht wirklich real. Wenn sie die Beispiele sehen, bei denen ein Betonschlauch an einem Roboterarm geführt wird und der Beton dann Schicht für Schicht aufgetragen wird, dann reden wir eigentlich vom Schichtbau und nicht vom 3D-Druck. Insofern ist das gewissermaßen fake und doch wird es irgendwann Realität. Die Bauunternehmen arbeiten mit Hochdruck daran und werden funktionsfähige Lösungen finden.

Was kann man heute schon mit einem 3D-Drucker produzieren?
Es lässt sich fast alles mit 3D-Druck Technik herstellen. Doch wir müssen uns immer nach der Sinnhaftigkeit fragen. Mit dem 3D-Drucker ein Autochassis zu drucken, macht derzeit aus Stabilitätsgründen noch keinen Sinn. Doch lassen Sie uns über den Bereich Ersatzteile in der Automobilzulieferer Branche sprechen.

Wir haben in der Vergangenheit das Projekt Oldtimerersatzteile mit Erfolg bearbeitet. Unser Kunde hat diese Konzeption in den Bereiche Automobil Ersatzteilhandel übernommen. Sein Interesse war: Was muss ich als Ersatzteilhändler bei mir im Unternehmen ändern, damit ich in Zukunft nur noch mit Daten handeln kann.

Das Problem ist folgendes: Ich habe 25.000 Ersatzteile am Lager, davon 9.000 aus Kunststoff und davon identifiziere ich 2.500 Stück mit einer Umsatzgröße von zwei pro Jahr, dann muss ich die doch gar nicht mehr am Lager haben, sondern ich fertige on demand. Hier wird nach dem Prinzip gehandelt - welche Teile sind die Renner und welche Teile sind die Penner? Wenn der Ersatzteilbetrieb dann dem Zwischenhändler sagt, du bekommst von mir die Daten und du kannst es vor Ort ausdrucken, ist das für alle eine Win-win-Situation. Irgendwann wird der Zwischenhändler derjenige sein, der fragt, soll ich das Ersatzteil bestellen oder soll ich es direkt vor Ort drucken. Das veranschaulicht, wo der Weg hingeht. Man sagt immer 3D-Druck wird die Welt verändern, vielleicht nicht die ganze Welt. Doch Fakt ist, dass sich die gesamte Wertschöpfungskette verändern wird.

Das heißt Service vor Ort?
Service vor Ort ist ein interessantes Thema. Was ist Service vor Ort im 3D-Druck? Service vor Ort heißt, da wir nie voraus sagen können wann eine Störung eintritt. Wir haben für unsere Kunden ein Konzept entwickelt, bei dem unsere Kunden im Störungsfall immer auf Backup Systeme zugreifen können. Wir versuchen immer eine maximale Verfügbarkeit von 98% zu erreichen.

Welche Leistungen bietet das Kompetenz Center INNOVATION?
Wir betreiben im KompetenzCenter INNOVATION ein drei Säulenmodell. Das sind die 3D-Drucker, Ideen und Service und das Thema Consulting. Copynet Innovation begleitet die Prozesse auf dem Weg in die Arbeitswelt 2020. Dafür vereinfachen wir den Wissenstransfer in den Unternehmen. Dazu gehört unter anderem auch das Thema Robotic, da die Robotic in Zukunft auch in die Welt des 3D-Drucks Einzug halten wird. Wir möchten gerne Ansprechpartner sein für die Schlagworte Digitalisierung 4.0, um dem Mittelstand zu helfen, bei der Digitalisierung nicht abgehängt zu werden.

Früher war unser Haus Hardware Lieferant, heute sind wir Unternehmensberater, die auch Produkte und Lösungen anbieten. Wir können unseren Kunden eine Hilfestellung anbieten, auf dem Weg zur Digitalisierung. Das Thema Vertrieb hat sich hier in den letzten Jahren total verändert. Nur über die Beratung und die nötigen Dienstleistungen können wir gemeinsam mit unseren Kunden wachsen. Die Margen sind auf der Hardwareseite viel zu gering geworden um einen Vertrieb nach altem Muster zu betreiben. Auch Druckerhersteller wie HP leben nicht durch den Verkauf von Druckern, das Geschäft beginnt bei dem Zubehör, dem Verkauf von Farbpatronen. Der reine Druckerverkauf ist eher sekundär.

Was können die 3D-Drucker in 10 Jahren?
Wie kennen alle noch die Zeit von vor 10 Jahren, als die ersten Farbfotokopierer nach Deutschland kamen. Damals kostete eine Farbkopie um die 5 bis 10 Euro je nach Größe des Ausdrucks. Heute hat doch fast jeder zweite Haushalt einen Farbdrucker im Hause. So wird es sich auch mit dem 3D-Drucker verhalten. Entscheidend wird sein, wie sich die Software im diesem Bereich weiterentwickeln wird. Die 3D-Drucker können längst mehr leisten als heute genutzt wird. Es werden spannende Zeiten auf uns zukommen!

Als Fazit lässt sich feststellen, die 3D-Drucktechnologie ist bereits Bestandteil vieler Fertigungsprozess. Unternehmen verändern die Wertschöpfungsprozesse. Industrie 4.0 und die damit einhergehende Digitalisierung, als Prozess, schreitet schneller voran als von außen wahrgenommen. Die mutigen Unternehmer werden siegen. Die schnellen Unternehmen fressen die langsamen Unternehmen. Keine wirklich neue Erkenntnis, doch in Bereich der 3D-Drucker Technologie ist es Fakt.

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