Teilen Sie www.B2B-NORD.de auf Facebook.
cashless society–Segen oder Fluch?
B2B NORD | Wirtschafts.Politik

cashless society–Segen oder Fluch?

Die skandinavischen Länder machen es vor. Hier spielt das Bargeld im Alltag eine wesentlich untergeordnetere Rolle als in Deutschland. Selbst kleinste Beträge werden per Kreditkarte oder Smartphone bezahlt. Italien schafft 2018 die Ein- und Zwei-Cent-Münzen ab. Ist das schon der Beginn einer Bargeldabschaffung? Hauptargument der Befürworter für eine Bargeldabschaffung ist die Eindämmung der Kriminalität und die Terrorbekämpfung. Durch die Anonymität des Bargelds sind illegale Geschäfte der Kriminellen nicht nachvollziehbar.

Mit der Abschaffung des Bargeldes soll mehr Transparenz in die Geldbewegungen kommen und es Verbrechern großes Stück schwerer machen unerkannt zu agieren. Aber werden die Deutschen dann nicht zu gläsernen Bürgern, wie es die Gegner der Bargeldabschaffung befürchten? Ändert sich das Konsumverhalten, wenn plötzlich jeglicher Geldfluss einsehbar wird ? Wir haben Unternehmer und Politiker zu diesem Thema befragt und zeigen welche Ansichten und Denkansätze und welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten es bei der Bewertung dieses Themas gibt.



Finanzministerin SH
Monika Heinold
Bündnis90/die Grünen


„Eine Höchstgrenze für Barzahlungen ist denkbar.“
Bargeld ist als Zahlungsmittel aus dem Alltag nicht wegzudenken. Bar zu bezahlen ist bequem und bietet den Vorteil, direkt zu sehen, wie sich der Einkauf auf den Geldbeutel auswirkt. Außerdem ermöglicht die Bargeldzahlung die sofortige Vertragserfüllung. Das bietet Rechtssicherheit.
Gleichzeitig ist bekannt, dass Bargeldzahlungen im kriminellen Bereich genutzt werden, um Geldflüsse zu verschleiern und illegal erwirtschaftetes Geld in den legalen Finanzund Wirtschaftskreislauf zu überführen. Einige EU-Länder, z.B. Frankreich, Spanien, Italien und Belgien, haben deshalb eine Höchstgrenze für Barzahlungen eingeführt. Vor diesem Hintergrund besteht die Sorge, dass sich kriminelle Geldströme nach Deutschland verlagern, weil hier keine Höchstgrenze gilt.
Dennoch: Mit Bargeld bezahlen zu können, ist für Bürgerinnen und Bürger ein hohes Gut. Eine vollständige Abschaffung wäre weltfremd und ein erheblicher Eingriff in die Freiheitsrechte. Eine Höchstgrenze hingegen könnte helfen, Geldwäsche wirksam zu bekämpfen.




Dr. Harald Vogelsang,
Vorstandssprecher
der Haspa


„Die Abschaffung ist in der Praxis politisch schwer durchsetzbar.“
Bargeld ist geprägte Freiheit und in Deutschland weiterhin sehr beliebt. In skandinavischen Ländern wie Schweden oder Dänemark funktioniert der Alltag heute bereits weitgehend ohne Bargeld. Selbst die Zeitung am Kiosk oder ein paar Brötchen beim Bäcker werden mit Kreditkarte oder Mobiltelefon bezahlt.

Von einer teilweisen Aufhebung des Annahmezwangs von Bargeld erhoffen sich Regierungen eine Stärkung der Wirtschaft. Nach Ladenschluss Geld zählen und es von einer Sicherheitsfirma zur Bank fahren zu lassen, das kostet. Internetbezahlverfahren wie paypal oder paydirekt werden auch in Deutschland immer beliebter. Hier ist Bargeld aber auch weiterhin sehr gefragt. Und dafür gibt es auch gute Gründe. Denn Bargeld dient neben einer Wertaufbewahrungsfunktion auch dem Schutz der Privatsphäre. Bargeld ist geprägte Freiheit. Deshalb ist die Abschaffung auch in der Praxis politisch schwer durchsetzbar. Und auch elektronische Bezahlverfahren sind nicht zum Nulltarif zu haben und müssen gerade in puncto Sicherheit ständig weiterentwickelt werden. Ob Bargeld oder digitale Geldbörse, beides gehört zu einem guten Mix aus sicheren und effizienten Zahlungsinstrumenten ebenso wie Giro- und Kreditkarten.

Und es wäre mit Blick auf unsere jüngsten Kunden einfach schade, wenn mit dem Bargeld auch die Sparschweine überflüssig würden. Über das Anfassen von Scheinen und Münzen lernt man am besten, gut mit Geld umzugehen.




Wolfgang Kubicki
Fraktionsvorsitzender
FDP SH


„Mit dem Scheinargument ,Terrorbekämpfung’ lässt sich so manches politisch durchsetzen.“
Der anlasslosen Vorratsdatenspeicherung zum Beispiel wurde hiermit der legislative Boden bereitet. Ebenso nahm die Forderung nach flächendeckender Videoüberwachung in der politischen Diskussion erst nach dem Berliner Anschlag richtig Schwung auf. Und sogar die Bargeldabschaffung sei, so das Bundesfinanzministerium, ein wichtiges Element, um die Austrocknung der terroristischen Finanzströme gewährleisten zu können.
Es ist billig und aus demokratischer Sicht unanständig, nicht auf das durchgreifende Argument, sondern auf die Angst von Menschen zu setzen, um politischen Forderungen Nachdruck zu verleihen. Denn es überwiegen bei der Abschaffung des Bargelds vor allem die Nachteile – sie schränkt zuerst die Freiheit des Einzelnen ein. Wer weiß, dass jede geschäftliche Transaktion nachzuvollziehen ist, verändert sein Konsumverhalten. Wer nur noch öffentlich ist, hat keine Privatsphäre. Das wäre das Ende der Freiheit, die wir kennen.




Reiner Schomacker
Vorstand
Norderstedter Bank


„Umfragen zeigen eine deutliche Ablehnung.“
„Eine Abschaffung des Bargeldes wäre ein bedeutender Eingriff in die individuelle Freiheit des Bezahlers. Zudem ist eine Abschaffung durch die notwendige Systemumstellung mit hohen Kosten verbunden. Dies wäre im Umkehrschluss wahrscheinlich mit einer zusätzlichen Belastung für die Steuerzahler verbunden. Außerdem findet eine mögliche Abschaffung nur wenig Akzeptanz in der Bevölkerung – Umfragen zeigen eine deutliche Ablehnung dieses Ansatzes.

Die Abschaffung des Bargeldes halte ich somit für den falschen Ansatz, da es der Flexibilität des Bezahlers entgegenwirkt und dessen Freiheiten einschränkt. Die positive Entwicklungen von E-Payment-Möglichkeiten hingegen, sind als äußerst positiv zu bewerten, da sie die Flexibilität erweitern.“






Katja Kipping
Vorsitzende
die Linke


„Sparer müssten ihre Guthaben schutzlos den Banken ausliefern.“
„Nur Bares ist Wahres“, spricht der Volksmund. In Deutschland werden 79 Prozent der Transaktionen in bar ausgeführt, wie die Deutsche Bank für das Jahr 2014 errechnete. Die Abschaffung des Bargelds wäre deshalb ein weiterer Schritt zum Überwachungsstaat. Ohne Bargeld sind alle Zahlungen für die Behörden nachvollziehbar. Byebye, Privatsphäre! Deutschlands oberster Verbraucherschützer Klaus Müller: „Das öffnet das Tor für eine absolute Kontrolle der Verbraucherinnen und Verbraucher.“

Die Bemühungen um eine Abschaffung des Bargeldes werden aber aktuell auch deshalb intensiviert, weil die Banken unterm Druck der Negativzinsen versuchen, ihre Kosten zu minimieren. Die Interessen der Menschen fallen dabei wieder einmal hinten runter.

Besonders betroffen wären all diejenigen, die kein Bankkonto besitzen. Sie wären vom Zahlungsverkehr vollständig ausgeschlossen. Sparerinnen und Sparer müssten ihre Guthaben schutzlos den Banken ausliefern – mit negativen Folgen, falls die Bank Strafzinsen auf Ersparnisse einführt oder gar pleitegeht.




Andreas Bartmann
Präsident
Handelsverband Nord


„Über 50 Prozent der Umsätze im Einzelhandel werden in bar getätigt.“
Bares bleibt Wahres - Italien schafft die Ein- und Zweicentmünzen ab. Aber wie wird bezahlt, wenn der Bon 3,92 Euro aufweist? Geht das dann nur bargeldlos? Der Einzelhandel wiederum möchte bei der Preisgestaltung nicht auf Ein- und Zweicentbeträge verzichten, einige Brachen haben zudem nicht die Luft zum Abrunden.

Bargeld ist das beliebteste Zahlungsmittel für deutsche Konsumenten. Bare Münze verspricht Freiheit – aber auch Sicherheit und Praktikabilität. Über 50 Prozent der Umsätze im Einzelhandel werden in bar getätigt. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland damit weit vorne. Für den Einzelhandel ist das Handling von Bargeld allerdings mit hohen Kosten verbunden.

Insbesondere die Beschaffung von Münzgeld ist in den vergangenen Jahren aufgrund geschäftspolitischer und regulatorischer Maßnahmen der Bundesbank erheblich teurer geworden. Hinzu kommen die Kosten für Sicherheit und die Entsorgung von Bareinnahmen. Hier sind Unternehmen ständig auf der Suche nach effizienteren Lösungen.

Nur behutsam lassen sich neue Verfahren und Alternativen zur Barzahlung einführen, sie dürfen die Kunden nicht überfordern und müssen schnell, reibungslos und sicher sein. Wir sollten zudem auf Gruppen in unserer Gesellschaft Rücksicht nehmen, denen alternative Technologien schwer fallen oder sogar nicht machbar sind. Daher kommt für den Einzelhandel ein Verzicht auf die Akzeptanz von Bargeld in naher Zukunft nicht in Frage.



B2B NORD cashless society–Segen oder Fluch?
BRANCHENBUCH
Auto
Druckereien
Einkaufen
Elektronik/TV
Energie
Event
Finanzen
Garten / Landschaftsbau
Gastronomie
Handwerk
Lebensmittel
Logistik
Mode
Netzwerke
Personalservice
Verlage
Wirtschaft
Dienstleistungen
Fortbildung
Gesundheit
Hotel
Immobilien
Kommunikation
Neubau
Office
Politik
Rechtsanwälte
Reisen
Senioren
Steuerberater
Training/Coaching
Versicherungen
Werbung
Wohnen