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Insolvenzanfechtung – ein unerkanntes Risiko
B2B Wirtschaft | Daniela Schlünzen

Insolvenzanfechtung – ein unerkanntes Risiko

B2B NORD Insolvenzanfechtung – ein unerkanntes Risiko
Hamburg (em/lr) Bei dem Thema Insolvenzanfechtung denken wir am ehesten an die großen Unternehmen und Namen. Das erste große Beispiel war die Insolvenz von TelDa- Fax und die Sponsorengelder, die der Fußballverein Bayer Leverkusen über Jahre erhalten hatte. Die Rückzahlung von rund 16 Millionen Euro durch den Fußballverein an den Insolvenzverwalter von TelDaFax war schon ein Paukenschlag, wurde aber eher von den Fußballklubs und Fans verfolgt. Auch das unrühmliche Ende des Unternehmers Thomas Middelhoff und das laufende Insolvenzverfahren wurden in den Nachrichten diskutiert. Die Rückabwicklung seiner geschlossenen Verträge zur „Umschichtung seines privaten Vermögens“ haben viele Unternehmer und Bürger eher mit Genugtuung verfolgt.

Die Hintergründe und die Gesetzgebung der Insolvenzanfechtung sind allerdings so komplex, dass viele Unternehmen, die im B2BGeschäft tätig sind, bisher das Risiko für sich und ihr eigenes Unternehmen noch nicht erkannt haben.
Kleinunternehmer und Mittelständler aber auch Selbstständige können durch die Insolvenz eines ihrer Kunden im Rahmen einer Insolvenzanfechtung in den Fokus des Insolvenzverwalters geraten. Das kann zu unangenehmen Folgen und Konsequenzen führen, wenn wir das Risiko nicht kennen. Ein wachsames und maßvolles Auge kann hilfreich sein und schützen – allerdings gibt es keine Garantie und bisher auch noch keine Lösung der Versicherer.

Die Gesetzgebung

Der Gesetzgeber wollte durch den Paragrafen 129 der Insolvenzordnung (InsO) eine Gleichheit zwischen allen Gläubigern eines Insolvenzschuldners herstellen. Oftmals werden einzelne Unternehmen eher, schneller, besser bei der Bezahlung von offenen Rechnungen bedacht, als andere. Nachdem dann das Insolvenzverfahren eröffnet wird, stehen viele Unternehmen im Regen und bekommen wenig bis nichts, während die offenen Rechnungen von ein oder zwei Unternehmen vorher vollständig ausgeglichen wurden. Um eine faire Ausgangssituation unter allen Gläubigern herstellen zu können, wurde das Instrument der Insolvenzanfechtung eingeführt. Unseriöse Geschäftspraktiken und Absprachen klammern wir mal an dieser Stelle aus, auch wenn diese durchaus vorkommen und auch hier die Insolvenzanfechtung selbstverständlich zum Tragen kommt.

Was bedeutet das konkret?
Stellt der Insolvenzverwalter bei der Sichtung der Unterlagen fest, dass einzelne Unternehmen bevorzugt beim Ausgleich von offenen Rechnungen behandelt wurden oder unseriöse Absprachen und Verträge zur Verschleierung von Zahlungswegen stattgefunden haben, kann er die Insolvenzanfechtung erklären. Damit werden alle Geschäftsbeziehungen und offenen Rechnungen der vergangenen 10 Jahre geprüft und gegebenenfalls rückabgewickelt. In der Praxis bedeutet das, dass die betroffenen Unternehmen alle erhaltenen Zahlungen des insolventen Unternehmens der vergangenen 10 Jahre an den Insolvenzverwalter zurück erstatten müssen. Der Insolvenzverwalter verteilt dann die zurückerhaltenen Zahlungen gleichmäßig auf alle Gläubiger und schafft so eine Gleichheit zwischen allen betroffenen Unternehmen.

Ein Blick in die Praxis
Die Rückabwicklung aller Zahlungen aus der Geschäftsbeziehung für die vergangenen 10 Jahre kann für ein kleines oder mittelständisches Unternehmen, das nur einmal mit dem insolventen Unternehmen zusammen gearbeitet hat, schon ein Problem darstellen. Das hängt von der Höhe des Rechnungsbetrages beziehungsweise der Rechnungsbeträge ab, der nun zurück erstattet werden muss.

Die Tatsache, dass eine langjährige Geschäftsbeziehung, zum Beispiel mit einem 4-stelligen monatlichen Auftragsvolumen, für 10 Jahre rückabgewickelt wird und alle Beträge an den Insolvenzverwalter zurück erstattet werden müssen, kann viele Unternehmen aus unserer Metropolregion Hamburg ebenfalls in die Insolvenz führen. Und dass obwohl die Unternehmen vorher gut bis sehr gut gewirtschaftet haben und perfekt aufgestellt waren. Schwarzmalerei?

Weit gefehlt. Zwischenzeitlich gibt es viele Beispiele aus der Praxis, wo die Insolvenzanfechtung zur Anwendung kam und selbst mittelständische Unternehmen von dem Insolvenzverwalter in die Knie gezwungen wurden. Nun stellt sich die Frage: Wie kann das sein und hat der Gesetzgeber das so gewollt? Warum die Insolvenzanfechtung bei Insolvenzverwaltern immer beliebter wird, ist vielleicht mit folgendem Satz zu erklären: Der Insolvenzverwalter verdient sein Honorar aufgrund der realisierten Insolvenzmasse, die er an die Gläubiger verteilen kann. Ein Schelm ist, wer da böses denkt: Er könnte also ein Interesse daran haben, den Paragrafen 129 Insolvenzordnung so oft wie möglich anzuwenden, auch wenn es gar keine einseitige Übervorteilung einzelner Gläubiger gab.

Ausblick
Zwischenzeitlich haben viele Unternehmer, Wirtschaftsverbände und auch Inkassoverbände die Politiker und Gesetzgeber auf die Problematik und die weitgefasste Auslegung der Insolvenzanfechtung hingewiesen. Der Gesetzgeber hat versprochen noch in dieser Legislaturperiode Abhilfe zu schaffen und den Paragrafen 129 InsO neu zu fassen. Ob die Gesetzesänderung tatsächlich noch in dieser Legislaturperiode erfolgt, bleibt abzuwarten, da die Politik aktuell mit vielen und wichtigen Themen ausgelastet sein könnte.

Foto: Daniela Schlünzen, Inhaberin des InkassoService Alstertal: „Als inhabergeführtes
Unternehmen verfügen wir über mehr als 20 Jahre persönliche Erfahrung im Forderungsmanagement. Wir haben uns auf die Bedürfnisse von Selbständigen sowie kleinen und mittelständischen Unternehmen spezialisiert. Unser Spektrum umfasst das
kaufmännische Mahnwesen, das gerichtliche Mahnverfahren, die Vollstreckung
und die Beratung, wie unsere Auftraggeber Forderungsausfälle schon im Vorwege soweit wie möglich vermeiden können.“
Daniela Schlünzen
Daniela Schlünzen
Flughafenstraße 52a (Haus C)
22335 Hamburg
Tel.: 0 40/41 35 71 30
Kontakt (at) InkassoService-Alstertal.de
www.InkassoService-Alstertal.de
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