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Was Chefs wissen sollten
B2B Wirtschaft | Dr. Sandra Maxeiner

Was Chefs wissen sollten

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Berlin (ab/os) Tagtäglich passiert es, dass Mitarbeiter von Kollegen oder Vorgesetzten gemobbt werden. Dr. Sandra Maxeiner und Diplom-Psychologin Hedda Rühle erläutern, wie Führungskräfte das „Fertigmachen“ von Mitarbeitern verhindern können.

Es ist Alltag in Unternehmen, dass Mitarbeiter von Führungskräften und Kollegen angefeindet, schikaniert oder diskriminiert werden. Sie werden gemieden und beleidigt, Gespräche verstummen, sobald sie den Raum betreten. Ihre Aussagen werden falsch wiedergegeben, Gerüchte über sie verbreitet, Unterlagen verschwinden, Informationen werden zurückgehalten oder ihre Arbeitsleistungen ungerechtfertigt kritisiert. In einigen Fällen werden auch Drohungen ausgesprochen und mitunter kommt es sogar zu sexueller Belästigung oder körperlicher Gewalt. Wenn diese Handlungen regelmäßig und systematisch mindestens einmal wöchentlich über einen Zeitraum von einem halben Jahr stattfinden, wird dies arbeitsrechtlich als Mobbing verstanden.

Vorgesetzte als Täter
Treffen kann es jeden. Experten gehen davon aus, dass rund 1,5 Millionen Berufstätige in Deutschland gemobbt werden, etwa zwei Drittel sind Frauen. Wer zum Mobbing-Opfer wird, leidet unter massiven psychischen Problemen und körperlichen Reaktionen, die sowohl seine Leistungsfähigkeit als auch sein Wohlbefinden erheblich beeinträchtigen. Viele leben seit den Vorfällen in ständiger Angst, sind gereizt, misstrauisch, aggressiv oder depressiv. Auch Spannungen im Privatleben, in der Familie oder im Freundeskreis bleiben nicht aus. Nicht wenige Betroffene weisen gar Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung auf, auch Schlafstörungen, Kopf- und Rückenschmerzen sowie Magen- und Darmerkrankungen kommen häufig vor.

Forscher der Freien Universität Berlin haben ermittelt, dass an etwa der Hälfte der Mobbingfälle die Vorgesetzten der Betroffenen beteiligt sind. In 20 Prozent der Fälle war er zumindest an den Schikanen beteiligt. Lediglich 30 Prozent der Vorgesetzten gaben an, von den Mobbingattacken ihrer Mitarbeiter nichts gewusst zu haben. Sie waren zwar nicht aktiv beteiligt, haben aber vermutlich nicht hingeschaut.

Mobbing vorbeugen
Das beste Mittel gegen Mobbing ist ein Betriebsklima, das von gegenseitiger Wertschätzung und kollegialer Unterstützung geprägt ist, ein Klima, in dem die Leistung des Teams geschätzt und anerkannt wird und es nicht um die Leistung von Einzelkämpfern geht. Kurz: Ein Betriebsklima, in dem Intrigen, Schuldzuweisungen oder „Rufmord“ nicht vorkommen, weil sie als unerwünscht und unsozial gelten.

Vorgesetzte sollten offen und direkt mit ihren Mitarbeitern kommunizieren und beobachten, wie die Angestellten miteinander umgehen. Sie sollten hinsehen, sich mit offenen Augen um das Thema „Mobbing“ kümmern und im Rahmen ihrer Fürsorgepflicht eingreifen. Das bedeutet nicht etwa, dass alle Probleme auch sofort gelöst werden müssen. Vielmehr geht es darum, dass die Vorgesetzten jederzeit für ihre Mitarbeiter ansprechbar sind und durch ihr eigenes Verhalten ein gutes Beispiel für ein vertrauensvolles, konstruktives Miteinander bieten. Und nicht nur Mitarbeiter profitieren von diesem Vorgehen – auch Chefs, die ihre Türen offen halten, werden belohnt, denn zufriedene Mitarbeiter arbeiten besser als frustrierte und gemobbte.

Mobbing-Opfern ist zu raten, sich frühzeitig Beratung und Unterstützung zu sichern, etwa in einer Mobbingberatungsstelle oder vom Betriebs- beziehungsweise Personalrat. Gemeinsam kann eine individuelle Strategie erarbeitet werden, um das Mobbing zu stoppen. Zu empfehlen ist auch, sämtliche Mobbinghandlungen zu dokumentieren. Das ist nicht nur entlastend für den Betroffenen selbst, sondern auch wichtig für Gespräche mit Vorgesetzten, aber ebenso für eine mögliche gerichtliche Auseinandersetzung. Erst danach sollte das Gespräch mit den Kollegen gesucht werden, von denen die Mobbing-Attacken ausgehen.

Anwaltlicher Rat sinnvoll
Gut ist es, wenn es gelingt, in diesen Gesprächen Wertungen und verbale Angriffe zu vermeiden. Man sollte möglichst sachlich bleiben und genau beobachten, wie die angesprochenen Kollegen reagieren. Entsteht beim Opfer das Gefühl, dass die Mobber uneinsichtig sind, sollte der Chef mit einbezogen werden. Dem Chef ist anhand von Beispielen darzustellen, wie das Mobbing erfolgt. Außerdem sollte ihm mitgeteilt werden, dass ein Gespräch mit den Kollegen ergebnislos verlaufen ist.

Angenommen, der Vorgesetzte gehört selbst zu den Mobbern, dann kann dessen Boss mit einbezogen werden. Bringt das nichts, bleibt nur die Kündigung oder der Gang zum Fachanwalt für Arbeitsrecht, um Schadenersatz und Schmerzensgeld einzuklagen. Selbstverständlich können Mobbing-Handlungen rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen, sofern das Mobbing-Opfer bereit ist, sich zu wehren. Insofern lohnt es sich immer, einen Fachanwalt für Arbeitsrecht zu Rate zu ziehen.

Foto: Dr. Sandra Maxeiner ist promovierte Politikund Sozialwissenschaftlerin und absolvierte Ausbildungen zur Heilpraktikerin für Psychotherapie sowie zum Coach. Sie ist zudem als ehrenamtliche Hospizhelferin tätig.
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