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„Wir sind der größte Arbeitgeber in Neumünster“
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„Wir sind der größte Arbeitgeber in Neumünster“

Neumünster (ml) Das Friedrich-Ebert-Krankenhaus mit dem Auftrag der Schwerpunktversorgung und akademisches Lehrkrankenhaus der Christian-Albrechts-Universität verfügt über mehr als 600 Betten und ist eines der größten „Unternehmen“ der Stadt Neumünster. Anlass genug, einmal mit dem Geschäftsführer dieser Klinik zu sprechen. Was Alfred von Dollen zum viel diskutierten Neubau, der wirtschaftlichen Situation oder etwa zur zukünftigen Entwicklung sagt, lesen Sie im nachfolgenden Interview.

Herr von Dollen, bevor wir über Ihr Krankenhaus sprechen, eine persönliche Frage vorweg: Wie war Ihr Weg ins FEK?
Nun, ich war als geborener Kieler für viele Jahre in der Hansestadt Lübeck tätig, bevor ich 1996 ins FEK gegangen bin.

Lübeck und Neumünster sind ja nun doch zwei sehr unterschied-liche Städte. Wie haben Sie diesen Wechsel persönlich empfunden?
Wissen Sie, ich mache dies weniger von den Städten als vielmehr von anderen, für mich weitaus wichtigeren, Dingen fest. Für mich hängt mein Wohlbefinden mit den Menschen zusammen, mit denen man zusammenkommt – unabhängig davon, ob dies beruflich oder privat passiert. Und diese Erfahrungen erscheinen mir weitaus bedeutender als die Tatsache, ob mir die alten oder neuen Gebäude einer Stadt besser gefallen. Von daher kann ich unumwunden zugeben, dass ich mich in Neumünster sehr wohl fühle.

Das FEK besteht seit 1930. Gibt es eine interessante Gründungsgeschichte, vielleicht noch nicht bekannte Fakten?
Eine außergewöhnliche Gründungsgeschichte gibt es wohl eher nicht. Allerdings sind mir im Zusammenhang mit der Planung unseres 75-jährigen Bestehens einige unerwartete Gemeinsamkeiten zwischen damals und heute aufgefallen. So fanden sich in den damaligen Unterlagen Hinweise auf ähnlich wirtschaftlich schwierige Zeiten und daraus resultierende Maßnahmen, denen wir uns auch heute stellen müssen. Es wurde also schon damals beispielsweise darauf hingewiesen bei den Röntgenleistungen möglichst die Wirtschaftlichkeit im Auge zu behalten. Auch fanden sich Hinweise darauf, die Lebensmittel möglichst kostengünstig zu planen. Ich habe allerdings auch weniger schöne Dinge in den alten Akten gefunden. So gab es beispielsweise eine konkrete Anweisung an die Krankenhausleitung, alle jüdischen Mitarbeiter namentlich zu benennen.

Wie haben Sie dies empfunden?
Wir alle kennen die für uns heute unfassbaren Geschehnisse der damaligen Zeit.
Wenn Sie allerdings als heutiger Leiter eine derartige Anweisung lesen, ist die Konfrontation damit natürlich viel direkter und erschreckender. Damit wechseln geschichtlich gelehrte Ereignisse in eine ganz persönlich beklemmende Erfahrung. Aber auch dies gehört dazu.

Seit 2008 wird das FEK ja nun komplett erneuert. Wie weit sind die Baumaßnahmen zur Zeit? Eine Parallele zu den baulichen Fortschritten bezüglich der Hamburger Elbphilharmonie wollen Sie sicherlich nicht mehr hören.
Mit diesem Vergleich werden wir tatsächlich sehr oft konfrontiert. Der ist aber nicht stimmig. Nachdem entschieden wurde, den Altbau von 1930 bestehen zu lassen und hier auf dem Gelände neu zu bauen, geschieht quasi alles zur selben Zeit. Das bedeutet, dass wir bis 2018 in vielen Bereichen mit Provisorien leben müssen.
Dieser Um- und Neubau bedeutet natürlich immer lange Wege, mehr Personal und wir brauchen jetzt zwei Jahre länger als wir ursprünglich gedacht hatten. Wir haben sorgfältig geplant, aber, um es einmal vorsichtig zu formulieren, jede Baudurchführung ist nicht ganz überraschungsfrei …

Wie viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind hier tätig und wie viele Auszubildende hat das FEK?
Zur Friedrich-Ebert-Krankenhaus GmbH gehören mittlerweile sechs Tochterunternehmen. Wir beschäftigen 1.700 Mitarbeiter und sind damit der größte Arbeitgeber in Neumünster. Insgesamt haben wir ca. 135 Ausbildungsplätze.
Im Bereich der Krankenpflege werden nach der Ausbildung etwa 70 Prozent übernommen.

Wo sehen Sie Probleme bei der Mitarbeiterfindung?
Nun, alles in allem sind wir mit den Besetzungen sehr zufrieden.
Unsere Assistenzärzte wechseln nach einem angemessenem Zeitraum, wie dies an allen Kliniken der Fall ist, und unsere Ober- und Chefärzte bleiben über einen sehr langen Zeitraum bei uns, oft bis zum Erreichen des Rentenalters. Sorge macht mir allerdings die Tatsache, dass sich nach meiner Überzeugung viele Schulabgänger auf Grund des Notendurchschnittes und nicht unbedingt auf Grund der persönlichen Berufung für das Medizinstudium entscheiden. Da fehlen dann bei einigen im Klinik-alltag, neben einer durchaus vorhandenen fachlichen Qualifikation, gewisse menschliche Kompetenzen, die für die Patienten-Genesung und natürlich auch für unser Image nach außen von großer Bedeutung sind. Aber nach wie vor kommen fünf Bewerber auf einen Studienplatz.

Falls Sie diese Frage beantworten können: Fühlen sich Ihre Ärzte im FEK wohl?
Das kann ich sogar sehr gut beantworten, weil wir gerade zu dieser Thematik eine Umfrage bei unseren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen durchgeführt haben. Das Ergebnis „verkünde“ ich nicht ganz ohne Stolz: Unsere Assistenzärzte haben uns mitgeteilt, dass sie sich im Friedrich-Ebert-Krankenhaus sehr wohlfühlen und hier sehr zufrieden sind.

Welche Besonderheiten zeichnen das FEK aus?
Wir leisten eine „Rund-um-die-Uhr-Versorgung“ für ein Einzugsgebiet von über 130.000 Einwohnern, haben dafür also eine Versorgungsverpflichtung. Wir haben ständig wachsende Patientenzahlen. Stationär werden im FEK jährlich 25.000 und ambulant etwa 40.000 Patienten behandelt. Ein Großteil unserer Patienten kommt also ungeplant. Dies stellt uns vor ganz bestimmte Herausforderungen in vielen Klinikbereichen.
Als herausragend für unser Krankenhaus darf ich wohl die Fächervielfalt und unsere interdisziplinären Behandlungsansätze bezeichnen.

Wie gehen Sie mit Patientenkritik um und wie arbeiten Sie nach außen hin?
Das ist eine wichtige Frage und eine Thematik, die wir sehr ernst nehmen. Wir haben dafür ein eigenes Beschwerdemanagement eingerichtet. Aber das ist nicht alles. Beispielsweise führe ich ganz persönlich in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Ärzten jährlich etwa 120 Beschwerdegespräche. Für mich ist es wichtig, dass unsere Patienten, aber auch die, die uns noch nicht kennen, ein gutes Gefühl mit dem FEK verbinden. Von daher veranstalten wir eine Vielzahl an Informationsveranstaltungen. Nennen möchte ich in diesem Zusammenhang nur einmal die Veranstaltung „Bauch & Baby“ oder aber unseren „Tag der offenen Tür“. Und natürlich ist für uns eine enge Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten, Selbsthilfegruppen und der Bevölkerung von zentraler Bedeutung.

Eine Frage zur aktuellen Situation: Ist der Geschäftsführer wirtschaftlich zufrieden?
Dies muss ich leider mit einem klaren Nein beantworten. In den vergangenen Jahren war noch eine Rücklagenbildung möglich. Jetzt aber entwickeln wir uns auf eine schwarze Null zurück. Natürlich haben auch wir in den vergangenen Jahren ein aktives und engagiertes Kostenmanagement in sämtlichen Bereichen umgesetzt.
Der primäre Kostenpunkt ist in unserem Haus aber der Bereich Personal. Dies macht 70 Prozent der Gesamtkosten aus. Und die aktuellen Tarifabschlüsse belasten unser Ergebnis ganz erheblich.

Bedeutet dies, dass Sie Personal reduzieren werden?
Einen aktiven Personalabbau werden wir nicht planen. Allerdings kann ich es zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausschließen, dass es Wiederbesetzungssperren geben wird.

In den letzten Wochen haben Sie auch auf eine veränderte Zahlungsmoral hingewiesen. Woraus resultiert dies?
Nun, wir müssen leider verstärkt feststellen, dass es immer mehr Menschen gibt, die nicht versichert sind. Und hier meine ich nicht nur Menschen, die aus anderen Ländern zu uns kommen. Auch wir machen die Erfahrung, dass es immer mehr Patienten gibt, die finanziell offensichtlich am Ende sind. Die Anzahl der Patienten, die ihre Rechnungen nicht begleichen können, hat sich beispielsweise im letzten Jahr verdoppelt.

Wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung in deutschen Krankenhäusern ein?
Dies lässt sich in der Komplexität im Rahmen dieses Interviews sicher nicht ausreichend darstellen. Ich möchte allerdings darauf hinweisen, dass wir durch die demografische Entwicklung mit weiteren Patientenzuwächsen rechnen müssen. Zudem werden zukünftige neue Behandlungssysteme auch mit gestiegenen Kosten einhergehen. Die Ärzteknappheit wird weiter zunehmen und der Pflegebereich wird qualitativ besser werden müssen, was natürlich auch steigenden Kosten mit sich bringen wird. Wir dürfen nicht vergessen: 50 Prozent unseres Personals sind bereits heute im Pflegebereich angesiedelt. In diesem Bereich werden die Anforderungen in den kommenden Jahren erheblich steigen. Dies wird beispielsweise auch nach sich ziehen, dass mindestens zehn Prozent der Pflegekräfte ein Studium absolvieren werden. Und natürlich belastet auch die Änderung des Arbeitsschutzgesetzes, die dazu geführt hat, dass die Ärzte heute 20 Prozent weniger arbeiten. Immer mehr Ärzte gehen auch ins Ausland, weil dort höhere Gehälter zu erzielen sind.

Woran liegt das?
Bespielsweise haben England und Skandinavien in den letzten Jahren nicht genügend Ärzte ausgebildet. Diese Lücken versuchen sie nun mit deutschen Ärzten auszugleichen. Aber nicht nur mit deutschen Ärzten. Gehen Sie mal in die osteuropäischen Länder, da finden Sie – ich übertreibe jetzt einmal bewusst – immer weniger Ärzte, jedenfalls keine mehr, die die englische Sprache einigermaßen beherrschen.

Wenn Sie mögen, Herr von Dollen, noch eine Frage zu Neumünster: Ihre Einschätzung zum ECE und zum DOC?
Das ist schnell beantwortet. Im Gegensatz zu einigen Nemünsteranern glaube ich nicht, dass ein nennenswertes Kundenklientel vom DOC den Weg von der grünen Wiese in die Neumünsteraner Innenstadt findet. Und die Betreiber von ECE kennen europaweit ihr Geschäft. Für mich ist das ECE für Neumünster überlebenswichtig!

Zum Schluss: ein persönlicher Wunsch?
Nun, wir sprachen anfangs über den FEK-Neubau. Ich habe mich kürzlich entschlossen, auch privat noch einmal zu bauen. Dafür wünsche ich mir ein bisschen weniger Ärger …

B2B NORD „Wir sind der größte Arbeitgeber in Neumünster“
FEK Neumünster
FEK Neumünster
Friesenstraße 11
24534 Neumünster
Tel.: 04321 4 05-0
info (at) fek.de
www.friedrich-ebert-krankenhaus.de
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